Erfolgsfaktor Motivation: Interview mit Maik Machulla, Cheftrainer der SG Flensburg Handewitt

Erfolgsfaktor Motivation: Interview mit Maik Machulla, Cheftrainer der SG Flensburg Handewitt

Vom 15.06.2021
EEP-Redaktion

Die Gier nach Erfolg auch in schwierigen Zeiten wecken, Verantwortungsbereitschaft in der Mannschaft erzeugen, aus Krisenzeiten lernen für neue Erfolgsgeschichten der Zukunft – wie gelingt all das im Sport? Und welche Parallelen zur Wirtschaft lassen sich ziehen? Drei Fragen an Maik Machulla, Cheftrainer der SG Flensburg Handewitt.

Corona sorgte zuletzt überall für Lethargie, bisweilen auch Genervtheit und ein Gefühl von Perspektivlosigkeit und fehlendem Antrieb. Wie gelingt es in einer solchen Situation, die Gier nach Erfolg zu entfachen?

Das ist natürlich die allergrößte Herausforderung, die nicht nur Unternehmer, sondern auch Trainer und Führungskräfte generell haben in einer Zeit, in der die Menschen verständlicherweise mental ein Stückweit müde sind. Um trotzdem zu Hochleistungen zu animieren und das Beste aus jedem Einzelnen herauszuholen, ist es in erster Linie sehr wichtig, die Spieler als Menschen zu sehen, mit all ihren Sorgen und auch ihren Ängsten. Dass man zuhört, ein guter Ansprechpartner ist, aber trotzdem nicht vergisst, dass alle zusammen einen Job haben, den sie gut erledigen wollen. Dazu gehört auch, die Spieler mit anspruchsvollen Zielen so gut es geht zu motivieren, denn nichts ist wichtiger, als Ziele zu haben, für die es sich jeden Tag zu kämpfen lohnt.

Natürlich ist es auch sehr wichtig, dass man loyal, fair, offen und sehr respektvoll miteinander umgeht. Es ist ebenso wichtig, dass ich als Trainer jeden Tag mit positiver Energie in die Truppe komme, auch wenn ich sie nicht immer habe, dann ich muss vielleicht auch mal ein guter Schauspieler sein. Und es braucht die richtige Mentalität. Die entwickelt man über viele, viele Jahre, weil man eine Philosophie hat im Unternehmen oder auch in der Mannschaft. Am Ende haben wir auch eine Verantwortung, nicht nur für den Verein, sondern für eine ganze Region. Auch das schafft eine große Motivation.

Verantwortung zu übernehmen – für das Spiel, für die Mannschaft, für den Verein – was heißt das ganz praktisch? Was erwarte Sie von jedem Spieler, wenn Sie ihn auffordern, Verantwortung zu übernehmen?

 Zunächst können die Spieler erst einmal ganz viel von mir erwarten: 100 % Bereitschaft, dass ich die Spieler an Grenzen führe, dass ich loyal bin, dass ich für die Spieler immer ein offenes Ohr habe, dass ich sie bestmöglich auf die Spiele und auf jedes Training vorbereite, dass ich respektvoll mit ihnen kommuniziere, dass ich kreativ bin. Das sind nur Wörter, aber das muss man leben. Das muss man vorleben, jeden Tag. Und wenn ich das selbst nicht schaffe, dann kann ich auch von meinen Spielern nicht erwarten, dass sie in wichtigen Phasen Verantwortung übernehmen. Wenn ich es aber schaffe, dass die Spieler mich als Vorbild wahrnehmen, weil sie sehen, dass ich jeden Tag 100 % investiere und alles dafür tue, dass die Gemeinschaft funktioniert, dass die Jungs vorbereitet sind, dann werden sie zwangsläufig mehr Leistungsbereitschaft zeigen, sie werden eine größere Zufriedenheit im Team haben, sie werden kreativer sein und das sorgt natürlich am Ende dann auch für mehr Erfolg durch eine höhere Motivation.

Wichtig ist aber auch, dass wir klar Aufgaben und Rollen in der Mannschaft verteilen, damit jeder weiß: Was wird von mir erwartet? Was ist meine Aufgabe? Was ist mein Teil zum Erfolg, damit wir unsere Ziele erreichen können? Bei uns hat jeder Aufgaben im Team, denn es gibt ganz viele kleine Dinge, die zu erledigen sind: sich um die Bälle zu kümmern, die Kabine sauber zu halten, Auswärtsreisen zu organisieren, sich um das Essen zu kümmern … da hat jeder Spieler eine Verantwortung und eine Aufgabe. Und was ein Spieler keinesfalls möchte, ist, seine Aufgabe nicht zu erfüllen, weil am Ende darunter die ganze Mannschaft leidet. Das ist auch ein Teil davon, Verantwortung zu übernehmen für die Mannschaft: Ich sorge dafür, dass die Jungs Essen bekommen – und zwar nicht irgendwas, sondern ich werde meiner Verantwortung so gerecht, dass die Spieler jedes Mal aufstehen und sagen: Das war hammer-gut heute, was wir gegessen haben.

Disziplin, sich an Regeln halten, auch das ist für mich ein ganz wesentlicher Teil. Ich nenne es nur nicht Regeln, sondern Vereinbarungen, die wir am Anfang der Saison treffen. Der Rahmen, in dem man sich bewegen kann, ist damit vorgegeben, und jeder weiß, was er zu erwarten hat, wenn er den Rahmen verlässt. Das wird aber nie jemand machen, weil es auch dabei wieder um Verantwortung geht. Ich möchte nicht derjenige sein, der seiner Verantwortung nicht gerecht wird und ich möchte nicht derjenige sein, der dann dafür sorgt, dass man deshalb vielleicht gemeinsam nicht erfolgreich ist.

Was können Unternehmer mit Blick auf die Motivation ihrer Mitarbeiter vom Erfolg der SG lernen?

Das allerwichtigste ist, seine Mitarbeiter so zu pushen, so zu motivieren – auch mit selbständigen Entscheidungsmöglichkeiten –, dass sie grundsätzlich ein hohes Maß an Motivation selbst entwickeln, weil sie sich einfach mit dem Unternehmen identifizieren, weil der Chef es versteht, die Stärken des Einzelnen in den Vordergrund zu stellen, und weil er es schafft, ein meisterliches Klima, also eine Arbeitsatmosphäre zu schaffen, in der sich alle wohlfühlen. Es geht um eine klare Philosophie, eine klare Struktur, eine klare Identität: Wer sind wir? Was wollen wir? Welche Ziele haben wir? Und wie wollen wir sie erreichen?

Ich glaube, eine der größten Lehren, die wir alle aus dieser Zeit ziehen werden, ist die, dass sowohl im Sport als auch in der Wirtschaft solche Krisen eine Gemeinschaft dann noch viel, viel enger zusammenschweißen, wenn man sieht, was man gemeinsam leisten und schaffen kann. Das stärkt eine Truppe, das stärkt eine Führungskraft, einen Trainer, weil man einfach feststellt: Egal, was passiert, egal, wie schlecht die Bedingungen sind, egal welcher Spieler ausfällt, egal, welcher Auftrag vielleicht gerade nicht an Land gezogen wurde, es gibt immer eine Möglichkeit und es geht immer irgendwie weiter, wenn man bereit ist, daraus etwas zu lernen, Augen und Ohren offenzuhalten und gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Und wenn man diese Mentalität entfachen kann und auch selbst diese Bereitschaft hat, alles zu tun, dann wird es auch zwangsläufig erfolgreich werden und man wird aus so einer Krise auch gestärkt herausgehen.

Bildquelle: SG Flensburg-Handewitt